Mit großem Engagement für Natur- und Artenschutz haben die Bürgerstiftung Wülfrath und der Wülfrather Ornithologe Dr. Peter Mullen ein gemeinsames Projekt verwirklicht: Im Grünzug Ellenbeek, Höhe Flehenberg entstand jetzt eine neue Blühwiese mit heimischen Pflanzenarten.

Am Samstag, 23. Mai, wurde die Fläche offiziell eingesät. Unterstützt wurden die Beteiligten dabei von Bürgermeister Sebastian Schorn, dem Vorstand der Bürgerstiftung sowie interessierten Anwohnerinnen und Anwohnern. Bei sommerlichen 27 Grad lockerten die Helferinnen und Helfer zunächst den Boden auf, bevor anschließend gemeinsam ausgesät wurde. Mit sogenannten Saatbrettern unter den Schuhen wurde die Erde danach vorsichtig angedrückt. „Da kommt man ganz schön ins Schwitzen“, stellte Bürgermeister Sebastian Schorn lachend fest.

Dr. Peter Mullen zeigte den Teilnehmenden stolz die über vier Jahre gesammelten Samen heimischer Wildpflanzen. Darunter befanden sich unter anderem Gewöhnlicher Natternkopf, Wiesenmargerite, Schafgarbe, Gewöhnliche Kratzdistel und Schmalblättriges Weidenröschen. Dabei machte Mullen eindrucksvoll deutlich, welche enorme ökologische Bedeutung diese Pflanzen für Insekten und Vögel besitzen.

„Raupen von 18 Schmetterlingsarten ernähren sich von den Blättern des schmalblättrigen Weidenröschens. Außerdem werden die weichen Samen von Singvögeln für den Nestbau verwendet“, erklärte der promovierte Ornithologe. Besonders begeistert zeigte er sich auch von der Gewöhnlichen Kratzdistel: „Sie bietet Nahrung für 95 Wildbienenarten. Die Samen werden zudem von Distelfinken gefressen.“

Für die neue Blühwiese wurden ausschließlich heimische Pflanzenarten verwendet, die keine besonderen Ansprüche an den Boden stellen. Aufgrund ihrer natürlichen Beschaffenheit fügt sich die Fläche harmonisch in den bestehenden Naturerfahrungsraum ein. Gleichzeitig liegt sie gut sichtbar direkt an der Straße und macht so auf das Thema Artenvielfalt aufmerksam.

Die Stadt Wülfrath unterstützte das Projekt ebenfalls. Der Baubetriebshof bereitete die Fläche im Vorfeld vor. Bürgermeister Sebastian Schorn hatte diese Unterstützung zugesagt und nahm auch persönlich an der Aussaat teil.

Um die wichtige Bewässerung während der Keimphase kümmert sich künftig Anwohner André Vogt, dessen Grundstück unmittelbar an die neue Blühwiese grenzt. „Als Bürger Wülfraths mache ich das doch sehr gerne“, sagte Vogt.

Die Blühwiese soll künftig nicht nur einen ökologischen Beitrag leisten, sondern auch Wissen über Biodiversität vermitteln. Geplant sind Informationen zur Artenbestimmung sowie Hinweise darauf, warum naturnahe Flächen nicht zu jeder Jahreszeit „ordentlich“ oder gleich gepflegt aussehen. Auch ein Hinweisschild auf das Projekt ist vorgesehen.

Die Pflege der Fläche übernimmt die Bürgerstiftung Wülfrath bewusst naturnah. Die Pflanzen sollen bis zur vollständigen Austrocknung stehen bleiben. Ein klassisches Abmähen ist nicht vorgesehen. Stattdessen wird die Fläche schonend geschnitten. Das Schnittgut bleibt zunächst liegen, damit sich die Samen vollständig verbreiten können.

Für die Bürgerstiftung und Dr. Peter Mullen ist das Projekt zugleich Ausdruck einer langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit. Bereits beim beliebten KULTURfrühstück der Stiftung begeisterte Mullen mit Vorträgen über Vögel und Naturschutz zahlreiche Gäste.

Dr. Peter Mullen ist promovierter Ornithologe und Inhaber des Wülfrather Unternehmens Sunbird Images. Gemeinsam mit dem NABU entwickelte sein Unternehmen bereits 2019 eine intuitiv nutzbare Vogel-Erkennungs-App, deren Basisfunktionen kostenlos verfügbar sind. Die App arbeitet mit optischen Merkmalen sowie künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Vogelstimmen und Vogelbildern. Auch die bekannte Insektenbestimmungs-App „BUND Insekten Kosmos“ stammt aus der Entwicklung von Sunbird Images. Mit ihr lassen sich inzwischen fast 2.000 heimische Insektenarten bestimmen.

Am Rande der Aktion ergab sich bereits eine Idee für ein mögliches Folgeprojekt: Eine Anwohnerin sprach sich gegenüber Bürgermeister Schorn für Spielgeräte im Grünzug aus. Der Bürgermeister lud sie daraufhin direkt in seine Bürgersprechstunde ein. Auch die Bürgerstiftung zeigte sich offen für weitere gemeinsame Vorhaben im Stadtteil.